Kurt Herbicht: Laufen, lehren und ein Stück loslassen

Das Lauftalent hat an nationalen und internationalen Titeln erreicht, was noch nie ein Oberfranke vor ihm geschafft hat. Heute gibt der 76-Jährige seine Erfahrung und vor allem Freude als Trainer weiter Sein ganz eigenes Geheimnis: Spaß und das ein oder andere Stück Kuchen.

 

„Ich laufe einfach mal mit.“ Mit dieser Lockerheit hat für Kurt Herbicht damals, vor rund 65 Jahren, alles begonnen. Vor sich unzählige Möglichkeiten. Heute, mit 76 Jahren, ist er wieder an so einem Punkt angekommen. „Ich laufe einfach mal mit“ heißt nun: Kein Druck, kein Stress und nur diejenigen Wettbewerbe auf Kreis- und Bezirkseben, die er sich persönlich aussucht. Weil er die Strecke und das Panorama mag. Weil gute, alte Bekannte mitlaufen. Oder weil er gerade Zeit hat.

Zwischen diesen beiden Statements liegt eine ganze Läuferwelt. Aus dem gebürtigen Schwürbitzer, der noch sechs weitere Geschwister hat, ist ein Star geworden. Als Junge hatte er sich zunächst auch im Turnen, Fußball und Tischtennis versucht. Doch nachdem der bekannte Läufer Herbert Dümlein an den Obermain gekommen ist und dort ein Training angeboten hatte, hat sich schnell Kurt Herbichts Leichtathletik-Talent herauskristallisiert. Fortan dreht der Jugendliche seine Runden, die oftmals über Neuensee, Sonnefeld, Weidhausen, Lettenreuth und zurück führten, mit dem Trainer: „Er hat mich unglaublich motiviert.“

Der Heimat treugeblieben

Seine erste Station führte ihn nach Bamberg. Dort kämpfte er als 18-Jähriger zunächst mit Ernüchterung. Bei den oberfränkischen Lauf-Meisterschaften traten damals noch viele stationierte, starke US-Soldaten an: „Ich habe fünf Jahre lang dort keinen Lauf gewonnen. Als es dann einmal so weit war, habe ich dafür die nächsten 20 Jahre keinen Lauf mehr in Oberfranken verloren“, lächelt er. Infolge dessen habe er viele Angebote von Vereinen mit großer Laufabteilung in ganz Deutschland erhalten, aber ihn habe es „nie weit rausgezogen“. Viele Jahre ist er für die LAC Quelle Fürth angetreten Stets nach seinem eigenen Training und seinen eigenen Zielen. „Hier hatte ich Spaß. Woanders hätte ich laufen müssen. Dann hätte ich wahrscheinlich schon längst die Lust verloren und würde heute etwas ganz anderes machen.“

Kurt Herbicht: „Nur die Landschaft, die Kulisse und das Laufen“ – das macht frei“

Das bedeutet nicht, dass gelernte Schreiner keinen Ehrgeiz hatte. Denn der war sogar sehr ausgeprägt. „Ich will gewinnen“ – so hat er sich in jedem Lauf motiviert. Earpods, Gespräche mit einem Nebenmann oder Ähnliches hat er nie gebraucht. Nur die Landschaft, die Kulisse und das Laufen“ – das macht frei. Doch haben die über zwanzig Jahre Leistungssport, die Teilnahmen an nationalen und internationalen Wettkämpfen, die Titel und das Training auch seinen Tribut gefordert: Durch die vielen Reisen war er in dieser Zeit wenig zu Hause. Zu Höchstzeiten war er an 60 Wettkämpfen im Jahr beteiligt. Weilte er in Michelau, jonglierte er immer akribisch mit seiner Zeit. Kam er abends von seiner Tätigkeit in der Möbelbranche, später im Baugewerbe und zuletzt als Messner in der Kirche nach Hause, kümmerte er sich um die beiden Kinder. Dann folgte eine Laufeinheit und später das gemeinsame Abendessen. „Meine Frau hat mir immer den Rücken freigehalten. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.“ Und ein bisschen hat sein Hobby auch abgefärbt: Seine Tochter ist beispielsweise auch einmal Bayerische Meisterin im 100 -Meter-Lauf geworden. Zum Sport überreden musste er sie nie. Er hat einfach Freude ausgestrahlt.

 

Trainer mit Geschick

Diese ist es vermutlich auch, die ihn seit vierzig Jahren als Trainer beim TV Schwürbitz, TSV 1860 Bad Staffelstein, TS Lichtenfels oder SG Rödental so beliebt machen: Schon als Jugendlicher hat er ja beim Turnen den Jüngeren geholfen. Während seiner Zeit als Leistungssportler habe er diesen Kontakt sehr vermisst, blickt er zurück. Seitdem vereint er die jungen Läuferinnen und Läufer immer dort, wo Bedarf und Chancen herrschen. Dabei hat er ein ganz eigenes Erfolgsgeheimnis, wenn er Kinder und Jugendliche in ihrer sportlichen Entwicklung begleitet: „Es nützt gar nichts, wenn man sagt: Jetzt lauf‘ mal drei Kilometer möglichst schnell. Da hat keiner Bock.“ Viele Kinder heute könnten zum Beispiel gar keinen Purzelbaum mehr. „Das üben wir ganz am Anfang“, erklärt er. „Und dann laufen wir eine ganz kurze Strecke gemeinsam los. Ganz locker und mit viel Spaß. In der nächsten Woche ein bisschen mehr und dann wieder.“ Auch die jährlichen Vereinsmeisterschaften seien ein guter Ansporn für die Kinder. Viele wollen außerdem von ihm wissen, was er schon alles in seiner Karriere erlebt hat.

Kurt Herbicht gibt gerne Auskunft – auch über seine wenigen Niederlagen: „Die musste ich einstecken wie jeder andere auch. Ich habe mir aber immer gesagt: Aus Fehlern lernt man. Und dann habe ich weiter trainiert und habe mir immer diejenigen Läufe herausgesucht, bei denen diejenigen, gegen die ich verloren hatte, wieder angetreten sind. Ich wusste, dass ich das schaffen kann Und ich habe es geschafft.“ Durchhaltevermögen trifft Heiterkeit:

 „Bei einem 21-Kilometer-Lauf in Teneriffa zum Beispiel, das war ein großer Berglauf, da hat es gestürmt und geregnet, aber am Ende habe ich mit Streckenrekord gewonnen. Aber der Pokal war fast 1,50 Meter groß. Ich habe ihn nicht in den Koffer bekommen um ihn im Flugzeug nach Hause zu transportieren. Dann musste ich ihn gegen einen Kleineren Umtauschen.“ Noch heute lacht er herzlich bei dieser Erinnerung.

Kurz Herbicht: „Ich musste mir bisher nie einen Fön kaufen.“

Pokale und Medaillen seien übrigens ein großer Motivator für Kinder und Jugendliche. „Das ist schon immer so gewesen und ist auch heute immer noch so.“ Er weiß wovon er redet: Zu Hause im Flur ist ein Schrank prall gefüllt mit diesen Auszeichnungen, weitere Regalen befinden sich in anderen Räumen. Preisgelder dagegen gab es selten. „Ich bin auch nie für Geld gelaufen. Ganz früher gab es sogar noch Sachpreise von Sponsoren. Das war praktisch, als ich kurz vor der Hochzeit stand: Da gab es dann Haushaltsgegenstände, Teppiche oder Deko. Vor fünf Jahren habe ich erst den letzten Fön aus dem Keller geholt, den ich damals gewonnen habe. Ich musste mir bisher nie einen Fön kaufen.“

Überhaupt seien die Wettkämpfe früher nicht „von so einer Show außenherum“ begleitet gewesen. Zwar bezeichnet er sich selbst als „Einzelgänger“ während der Läufe, aber vorher und nachher sei er gerne in Gesellschaft gewesen. Allen voran sein Kollege und Sponsor Rainer aus der Bäckerei Reißenweber aus Rödental: Dieser habe ihm immer zwei Stück Kuchen versprochen und gleich mitgeschickt: „Das war für mich Motivation pur.“  Auf die süßen Teilchen konnte er nämlich zu keiner Zeit in seinem Leben verzichten. Auch auf seinen Reisen hat er sich manchmal ein Stück „Kuchen von zu Hause“ eingepackt. Nicht immer ging das am Flughafen durch den Zoll..
Spezifische Sportlerernährung? Fehlanzeige. 
Heute bäckt Kurt Herbicht selbst: Am liebsten kommt bei ihm Sand- oder Eierlikörkuchen in den Ofen. Auch seine Lebensgefährtin genießt dann mit. Sie hat er übrigens bei einem Marathon-Lauf in Australien kennengelernt.

 

Nun auf zwei Rädern in der Welt unterwegs

Von solchen Wettkämpfen hat er sich nun verabschiedet. Doch sein Körper braucht die körperliche Anstrengung noch immer. „Mein Herz kann nicht einfach runterfahren, nachdem es so viele Jahrzehnte lang Höchstleistung erbracht hat. Es ist auch in medizinischer Hinsicht ein Sportlerherz und etwas vergrößert. Mit leichter Belastung kann es sich wieder etwas verkleinern“, weiß er. Genau dafür hat der 76-Jährige nun eine zweite Leidenschaft für sich entdeckt: das Fahrrad-Fahren. Doch er wäre nicht Kurt Herbicht, wenn er immer nur geradeaus am Main entlangfahren würde. Gerne tourt er nun durch die Berge in Frankreich oder Italien. „Manchmal auf den Spuren der Tour de France Da kann ich mich entspannen. Es ist kein Körper Schinden am Limit, es ist Anstrengung, die Freude macht.“

Und ebenso glücklich ist er auch dann, wenn er sich mit Laufkollegen und Weggefährten jeden Alters trifft: „Zum Kaffeeklatsch mit Kuchen natürlich. Oder wir telefonieren.“

Vor kurzem hat er die Sportmedaille der Stadt Lichtenfels verliehen bekommen. Sie würdigt nicht nur den Sportler, sondern auch den ehrenamtlichen Trainer für so viele Generationen.

 

Infobox:

Kurt Herbichts größte Erfolge:

Seine Erfolge erstrecken sich über alle Laufdistanzen von 100m bis 10 km, Halbmarathon bis hin zu Berg-, Straßen- und Crossläufen.

In seinem Leben absolvierte er mehr als 2200 Starts, erkämpfte dabei über 1600 Siege, unter anderem:
1 x Senioren-Weltmeister über 800 Meter
2 x Europameister mit der Mannschaft
4 x Vize-Europameister
54 x Deutscher Meister
6 x Süddeutscher Meister
225 x Oberfränkischer Meister 
sowie 230 x Kreismeister.

Eine seiner Bestzeiten für die 5000 Meter-Marke steht bei 14:25 Minuten.

 

Kurt Herbicht Ewige Besten Bilanz


Eine noch nie dagewesene Bilanz in der Geschichte der Leichtathletik in Bayern und Oberfrankens/ Bayern..
Seit über 55 Jahren läuft Kurt Herbicht als aktiver Athlet, seit 40 Jahren ist er tätig als Trainer, Abteilungsleiter und Kreisvorsitzender und immer noch auch als Athlet bei Deutschen Meisterschaften, Europa- und Weltmeisterschaften. Besonders der Nachwuchs liegt im besonders am Herzen; er betreut noch heute die Schüler bei seinem Heimatverein TSV 1860 Staffelstein und die Kinder in seinem Geburtsort Schwürbitz. Bei über 2200 gestarteten Wettkämpfen holte er sich über 1.600 Mal den ersten Platz.


Bei der Olympiaflamme-Statistik (siehe www.Olym.-Flamme.de) des BLV steht er an der Spitze mit ca. 350 Bestzeiten bis zur heutigen Klasse M65/ 70. Auch 2015 bei WM in Lyon ging er sechs Mal an den Start über 400 m und 800 m und 4 x 400 m Staffel, wobei ein vierter, fünfter und sechster Platz erreicht wurde. Viele Rekorde hält er noch heute laut Statistik in der Halle und im Stadion in der M35 - M65 von 100 m bis zur Marathon-Strecke (Bestzeit 2:21 Std.). 2015 gewann er den DLV-Titel über 400 m im Stadion und holte sich die zwei DLV-Titel über 400 m und 800 m in der Halle. Zwei bayerische Titel gewann er über 400 m und 800 m im Stadion .Auch 2016 gewann der in der Halle 2 mal Bronze und im Stadion zweimal Bronze über 400 und 800m.Da er 2018 bis zur der Deutschen Seniorenm. immer etwas leicht mit einer kleinen Verletzung zu Kämpfen hatte legt er eine Pause ein und startet nicht auf der Weltmeisterschaft.Insgesamt gewann er ca.: 60 DLV-Titel, 103 BLV-Titel, 6 Süddeutsche Titel, 216 Oberfränkische Titel, 21 Nordbayerische Titel, 225 Kreistitel und einen Weltmeistertitel über 800 m, 2 Europa-Titel in der Mannschaft und 4 Vize-Europa-Titel bei Einzelwettkämpfen. 2016 stellte er in der M65 3 neue Rekorde auf über 2000 m Hindernislauf, 1500 m Halle und im Stadion über die Meile. Seit 1984 hält er 14 Rekorde ab M35 - M65, 7 x Halle und 7 x Bahnrekorde. Ein Rekordjahr ging für Kurt Herbicht 2017 zu Ende. Damit ist er ein Botschafter der Leichtathletik und auch ein Ausnahmeathlet in Oberfranken und Bayern. 


Im Juli 2016 absolvierte Ausnahmeläufer Kurt Herbicht in seiner überaus erfolgreichen Karriere als Läufer seinen 2100sten Start. Der gebürtige Schwürbitzer und jetzt für den TSV Staffelstein startende Athlet blickt auf eine überaus tolle Laufbahn zurück. 1965 entdeckte er unter der Anleitung von Herbert Dümmlein, selbst ein erfolgreicher Langläufer, die Lust zum Laufen. Schnell mauserte er sich zu einem starken Mittel- und Langstreckler, der Jahrzehnte lang die Szene im Leichtathletikkreis Coburg, Lichtenfels, Kronach, im Bezirk Oberfranken und darüber hinaus beherrschte. Im Seniorenbereich gehört Herbicht in Deutschland seit rund 45Jahren zu den herausragenden Läufern, mit einer Erfolgsbilanz, die man als einmalig betrachten muss. Bei seinen 2100 Starts überquerte er 1600 Mal als Sieger die Ziellinie!! Eine unglaublich tolle Bilanz, die im heimischen Sportgeschehen einmalig sein dürfte. Seine Erfolge gehen über Weltmeistertitel und vier Mal Vize-Europameister, über unzählige Deutsche - und Bayerische Titel im Seniorenbereich. Und das ist das einmalige bei Kurt Herbicht. Sein Spektrum seiner Erfolge geht von 100m, 400-, 800-, 1500-, über3000-,5000-,10000 Meter, 10 Kilometer, Halbmarathon, 25 Kilometer und Marathon, bis hin zum 3000 Meter- Hindernislauf. Auf diesen Strecken, eine Ausnahme sind die 400 Meter, lief Kurt Herbicht Zeiten, die seit vielen Jahren im heimischen LA- Kreis nicht annähernd erzielt wurden. Seine unglaubliche Bilanz liest sich folgendermaßen: Ein WM- und vier EM- Vizemeister bei den Senioren, 60deutsche-, 103 bayerische- und210 oberfränkische Meistertitel. Überragend eine solche Siegesserie! Sein Siegeswille ist trozt seines Alters noch lange nicht gestillt gehört in der Saison bereits der M65 an und griff hier noch einmal voll an. Gleich zum Saisonauftakt lief er in Fürth bayerischen Seniorenrekord über 1500 Meter2014. Der erste Höhepunkt der neuen Saison waren die deutschen Hallenmeisterschaften am 1.-2. März in Erfurt, wo Kurt Herbicht die 400- und 800 Meter gelaufen ist und wo er ohne Zweifel zu den großen Favoriten zählte. Glücklich ist er auch darüber, dass er dieses Jahr 2017 ohne Größeren Verletzungen überstanden hat. Nach seinen Aufzeichnungen lief er im Training bereits mehr als drei Mal um die Erde.


2017 erreichte er bei 10 Wettkämpfen 10 mal den 1.Platz ,und wurde 2 mal Oberfränkischer Meister im 5.000m Lauf und Berglauf .. 2018 lief Kurt nur 4 Wettkämpfe mit 4 Siegen ,und wurde Deutscher Meister mit der 4 mal 400m Staffel Neustadt/ 1860 und Oberfr. Meister im Crosslauf.. 2019 lief er 5 Rennen mit Siegen dabei wurde er mit der 4 mal 400 m Staffel Deutscher Vizemeister und über die 10 km Oberfränkischer Meister in seiner neuen Klasse M 70..

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